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DER WEG VOM MEDIZINSTUDIUM

ZUM KINDERHAUS

 

 

 

Eine Interpretation von mArtinA taschner.

 

 

 

 

 

 

Maria Montessori (1870- 1952) promoviert 1896 als erste Frau Italiens zum Doktor der Medizin. Doch auch noch nach ihrer Doktorarbeit besucht sie weiterhin die Psychiatrische Klinik der Universität Roms und setzt ihre Forschungsarbeit fort.

Maria Montessori muss im Zuge ihrer Arbeit an der Psychiatrischen Klinik immer wieder die römischen Irrenanstalten aufsuchen, um dort „geeignete“ Patienten für die Klinik auszuwählen.

So wird sie zum ersten Mal auf die „schwachsinnigen“ Kinder aufmerksam, die in die Irrenanstalt abgeschoben werden, da ihr Verhalten in der Familie und in der Schule als untragbar angesehen wird.

Sie beobachtet eine Gruppe Kinder, die in einem einfachen Raum wie Gefangene gehalten werden und außer der Wärterin, die ihnen das Essen bringt, völlig sich selbst überlassen sind. Sie entdeckt, wie die Kinder nach dem „Essen“ nach den Brotkrümeln auf dem Boden grapschen, diese kauen, kneten und quetschen, doch nicht nach dem Brot aus Hunger gierend, sondern weil sie nach Beschäftigung verlangen.

Sie stellte die Behauptung auf, dass der Geist der Kinder nicht völlig unbrauchbar ist, sondern aus welchen Gründen auch immer, nicht benutzt wird. Als Folge davon, beginnt sie alles über geistig behinderte Kinder zu lesen und sich näher mit dieser Thematik zu beschäftigen. Maria Montessori erkennt, dass diesen Kindern durch besondere Erziehungsmethoden geholfen werden kann, aber nicht in Krankenhäusern sondern in eigens dafür geschaffenen Schulen, und so wendet sie das erste Mal ihre Aufmerksamkeit der Erziehungswissenschaft zu. Dabei stößt sie auf die Werke von >......

          ...Jean – Marc - Gaspard  ITARD (1774- 1834)  und seinen Schüler

          ....Eduard SÉGUIN      (1812- 1880)

 

ITARD ist im Jahre 1800 als Arzt in einer Taubstummenklinik in Paris angestellt, als ein Junge von 11-12 Jahren in den Wäldern von AVEYRON gefunden wird und in die Anstalt kommt.

Dr. Philippe Pinel, eine berühmte Autorität im Bereich der Geisteskrankheiten, bezeichnet den Jungen als „unerziehbar“ und trotzdem nimmt sich Itard seiner an. Er glaubt, dass die Primitivität und das animalische Gehabe des Jungen nicht die Folge angeborener IDIOTIE sondern der MANGEL an ÜBUNG sind.

Nachdem die übliche Methode, die Taubstummensprache zu lehren, bei dem Jungen nicht anspricht, entwickelt Itard eine eigene Methode und Materialien. Er versucht, die Sinne des Jungen anzuregen und zu kanalisieren. Obwohl der Junge niemals über das bloße paarweise Ordnen hinauskommt und der Versuch, ihm ein Verständnis der Bedeutung von Tönen und Worten zu vermitteln scheitert, hat er doch einen Erfolg errungen. Er hat bewiesen, dass eine Möglichkeit besteht, geistig behinderte Kinder mit Hilfe eines medizinisch - pädagogischen Systems zu trainieren.

 

SÉGUIN der Schüler Itards gründet eine Schule für „Idioten“, wo er seine Arbeit auf eindrucksvolle Weise fortsetzt. Er verfasst das Buch:

„ Die moralische Behandlung, Hygiene und Erziehung von Idioten und zurückgebliebenen Kindern“

und später sein 2. Hauptwerk mit dem Titel:

„Idiocy and its treatment by the physiological method“

 

Im Wintersemester 1897/98 besucht Maria Montessori Pädagogikvorlesungen und beginnt alle Hauptwerke der Erziehungstheorie der letzten 200 Jahre zu lesen.

Maria Montessoris Theorie ist gestützt auf die Versuche PESTALOZZIS, eine freie Schule zu schaffen, FRÖBELS Kindergarten für die Ganz Kleinen und SÉGUINS u. ITARDS Methode zur Erziehung der bisher für unerziehbar gehaltenen Kinder.

 

Jakob Rodrigues PEREIRA gründet 1750 in Frankreich in Bordeaux eine freie Schule für Taubstumme. Sérguin findet in Pereiras Arbeiten die Idee, den Tastsinn als Werkzeug des allgemeinen Lebens zu üben.

 

Jean Jaques ROUSSEAU meint, man müsse die Kinder vom Abstrakten zum Konkreten führen und dies würde uns am besten durch den Gebrauch unserer Sinne gelingen. Jedoch glaubt Rousseau, die Kinder würden durch die Zivilisation verdorben und wollte die Kinder deshalb in die Natur hinausschicken. Maria Montessori übernimmt viel von den Ideen Rousseaus, jedoch meint sie, dass es von Vorteil ist, sich die  Natur zu Nutzen zu machen. FRÖBEL und PESTALOZZI führen die Ideen ROUSSEAUS in die Schulpraxis ein.

 

1899 wird Maria Montessori Dozentin an der Lehrerinnenbildungsanstalt sowie Direktorin eines Institutes, das Lehrer für behinderte Kinder ausbildet. Diesem Institut ist auch eine Modellschule für behinderte Kinder angeschlossen.

Dort lässt sie die von Itard und Sérguin entwickelten Materialien einsetzen und versucht, die Wahrnehmung und Geschicklichkeit der Kinder zu fördern. Die Erfolge, die sie bei ihrer Arbeit mit den behinderten Kindern erzielt, erregen grosses Aufsehen in der Öffentlichkeit. Für sie ergibt sich jedoch daraus die Frage, wenn schon behinderte Kinder zu solchen Leistungen fähig sind, was müssen erst gesunde Kinder können?

 

Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs mit den behinderten Kindern verlässt sie das Institut und wendet sich neuerlich ihrem Studium zu. Diesmal besucht sie Vorlesungen der Anthropologie und Psychologie.

 

1906 beschließt eine Gruppe von Bankiers, im Stadtteil SAN LORENZO in Rom Wohnungen für junge Familien, bei denen beide Eltern berufstätig sind, zu schaffen. Da die noch nicht schulpflichtigen Kinder dieser Eltern verwahrlost und ohne Aufsicht durch die Häuser streifen und die Wände beschmieren, beschließt man eine Betreuung für diese Kinder einzurichten. So tritt man mit der Bitte an Maria Montessori heran, bei der Suche nach der geeigneten Person für diese Kinder behilflich zu sein.

 

Maria Montessori sieht eine Möglichkeit, ihre Arbeitsmethoden auch bei gesunden Kindern zu erproben und nimmt zum Erstaunen aller die Stelle selber an und gründet  am 6. Jänner 1907 das 1. Kinderhaus CASA DEI BAMBINI.

 

Die Kinder in diesem Kinderhaus zeigen bald überdurchschnittliche Lernergebnisse, ein enormes Wissensspektrum, eine ausgeprägte motorische Geschicklichkeit und spürbare Ausgeglichenheit. Besuch aus aller Herren Länder stellt sich ein und Maria Montessoris Ansatz macht weltweit Furore.

 

Sie beginnt, Ausbildungskurse zu leiten und ihre Reisen nach Übersee, durch Europa bis nach Indien machen ihre Materialien und ihre Methode bekannt und regen zur Nachahmung an. Durch den ersten und zweiten Weltkrieg muss Maria Montessori immer wieder Rückschläge in der Verbreitung ihrer Pädagogik hinnehmen. Sie schafft es jedoch immer wieder trotz widriger Umstände, die Flamme der Begeisterung für ihr Tun in Stand zu halten.

 

Maria Montessori verstirbt am 6. Mai 1952 in Holland und hinterlässt mit ihren vielen einzigartigen Materialien und zahlreichen Büchern ein Erbe, dessen Begeisterung, Hingabe und Vertrauen in ihre Arbeit bis zum heutigen Tag anhält.

 

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